31.05.2019 | Polenaustausch besucht die Gedenkstätte Auschwitz Autor: Kiana, Sophia

Zum letzten Mal fand in diesem Jahr der Polenaustausch mit Pieszyce statt. Auf Grund einer Schulreform in Polen wird unsere Partnerschule in ihrer jetzigen Form aufgelöst. Wir bedauern, dass damit der langjährige Austausch mit der Partnerstadt von Schortens gezwungener Maßen ein Ende findet. Alle beteiligten Lehrkräfte und alle Schülerinnen und Schüler, die am Austausch teilgenommen haben, werden sich sicherlich an sehr eindrückliche Erlebnisse zurückerinnern können.


Schwierige Besuche, denen sich die Austauschgruppen immer wieder gestellt haben, fanden an den Orten statt, an denen der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert wird. In diesem Jahr fuhr die Gruppe zur Gedenkstätte an das Konzentrationslager Auschwitz. Kiana und Sophia haben ihre Eindrücke zusammengefasst:


Am 15. Mai sind wir gegen 12 Uhr aus Kattowitz nach Auschwitz gefahren, wo wir gegen 14 Uhr ankamen. Als unsere Führung um 15 Uhr begann, gingen wir zuerst zu dem Stammlager. In der ersten Ausstellung waren originale Fotos und einige grundlegende Fakten. Außerdem waren in einem Raum die Haare, die den Häftlingen abgeschnitten wurden, ausgestellt. Schon das zeigte uns die Skrupellosigkeit der Nazis. In der zweiten Ausstellung waren persönliche Gegenstände der Häftlinge. Darunter Koffer, Kleidung, Schuhe, aber auch Kleinigkeiten, wie Rasierpinsel oder Geschirr, was bewies, dass viele der Juden die Hoffnung hatten ein richtiges Leben nach der Deportation zu führen. In einer weiteren Ausstellung war der Alltag der Häftlinge dargestellt. Außerdem sahen wir dort Fotos, die von den Häftlingen gemacht wurden und mit dem jeweiligen Registrierungsdatum und Sterbedatum. Das war besonders schockierend für uns, denn man sah ihnen das Entsetzen im Gesicht sehr an.


Von dieser Ausstellung aus gingen wir zu den Unterkünften des Stammlagers, die nie renoviert wurden. So konnte man die Unterkünfte genauso sehen, wie sie zu der Zeit auch aussahen. Auch das war sehr bedrückend, denn alles war sehr beengt.


Ein Stockwerk darunter waren kleine Zellen, auf denen die Häftlinge bei „Vergehen“ ihre Strafe auf ganz engem Raum mit so vielen Personen absitzen mussten, dass sie sich noch nicht mal hinlegen konnten. Dort durften auch keine Fotos gemacht werden. In der Nähe davon befand sich eine Galgenvorrichtung, auf der Hinrichtungen stattfanden, und direkt daneben die Gaskammer. Es war kaum realisierbar für uns, dass genau dort so viele Menschen starben. Auch das Krematorium war sehr beängstigend.


Wir hatten alle den Auftrag bekommen, vor Reiseantritt jeweils vier Steine aus Jever mitzunehmen. Vor der Gaskammer lasen wir die Namen der Juden aus Jever vor, die während des Holocaust ums Leben kamen und legten für jeden einen Stein vor der Gaskammer nieder.


Mit bedrückter Stimmung stiegen wir gegen 17.30 Uhr in den Bus ein und fuhren etwa 5 Minuten nach Birkenau. Dort schauten wir uns 2 Holzbaracken an. Eine zum Schlafen, in der um die 600 Leute untergebracht waren und in der bis zu 8 Leute auf einer(!) Bett Etage schlafen mussten. Das war besonders erschreckend, denn insbesondere bei feuchtem Klima entwickelten sich schnell Krankheiten.
In der weiteren Holzbaracke waren die „Toiletten“ die aus Betonkästen mit Loch bestanden. Auch die schrecklichen unhygienischen Verhältnisse sorgten schnell für Krankheiten, an denen viele starben.



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Gegen 18.30 war unsere Führung vorbei und wir fuhren mit dem Bus zurück nach Pieszyce.


Für uns alle war es kaum realisierbar, dass genau dort, wo wir standen tausende Juden ums Leben kamen. Die schrecklichen Lebensbedingungen waren grausam anzusehen und sehr beängstigend.