11.11.2020 | „Keiner ist objektiv“ – Dr. Ludger Grevelhörster am Mariengymnasium Autor: Jonas Evers (Q2)

„Keiner ist objektiv“ – Dr. Ludger Grevelhörster am Mariengymnasium

Zur Graphic Novel „Emil - Tagebücher aus der Weimarer Republik“ von Dr. Ludger Grevelhörster

„Was ist eigentlich eine Graphic Novel?“, fragte sich Dr. Ludger Grevelhörster, bevor er selbst Autor einer solchen wurde. Der Lehrer und Historiker besuchte am Montagnachmittag das Mariengymnasium und stellte Schüler*innen der Geschichtsleistungskurse sowie des geschichtlichen Seminarfachs der Q2 seine Graphic Novel „Emil – Tagebücher aus der Weimarer Republik“ vor, die er zusammen mit dem Illustratoren Rüdiger Trebels veröffentlicht hat.

Gegenüber einer „normalen“ Geschichtsdarstellung, wie Grevelhörster auch schon unzählige verfasst hat, sei eine Graphic Novel lebendig. Der Geschichtscomic punktet durch seine Anschaulichkeit. Wenn man sich darauf einlässt, kann man ganz in ihn eintauchen.

Die Veranstaltung war von der Bibliothek des Mariengymnasiums organisiert und im Rahmen von „Und seitab liegt die Stadt“ – ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Förderprogramm „Kultur in ländlichen Räumen“) und des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB) gefördert worden.
Das Bibliotheksteams – Tina Haseneyer, Dr. Anja Belemann-Smit und Dr. Georg Wagner-Kyora – danken Herrn Grevelhörster für den Besuch, Herrn Dunker für die technische Unterstützung und natürlich dem Förderprojekt, durch das diese Veranstaltung erst ermöglicht wurde.

In „Emil“ entdeckt Mo die verstaubten Tagebücher seines Uropas wieder. Durch ihn, Emil, gewinnt Mo einen Einblick in die Zeit der Weimarer Republik. Vom Matrosenaufstand 1918 in Wilhelmshaven und Kiel bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 nimmt Grevelhörster den Leser an die Hand und führt durch eine lebendige Geschichtserzählung. Der Schauplatz Münster steht dabei repräsentativ für viele andere deutsche Städte während dieser Zeit, so der Autor. Die besondere Erzähltechnik der beiden Zeitebenen bietet nach jedem Kapitel des Tagebuchs eine Möglichkeit der Reflexion. Ein Moment des Innehaltens. Die zwei Zeitebenen unterscheiden sich rein äußerlich auch durch verschiedene Zeichenstile.
Die Bedingung für sein Werk, so der Autor, war von Anfang an, dass alle Charaktere, die in den beiden Zeitebenen eine Rolle spielen, auch wirklich so hätten existieren können. Einige Dialoge zwischen Akteuren der realen Geschichte sind zum Teil im Wortlaut übernommen; logisch funktioniere das allerdings nicht überall, so Grevelhörster.

„Geschichte ist nicht Mathematik“, gibt der Historiker zu bedenken. Andere hätten einiges bestimmt anders dargestellt, und auch Emil sieht die Geschichte durch seine eigene Brille. Durch die Auswahl der Inhalte „konstruiere“ jede Darstellungsweise die Geschichte. Jede Darstellungsweise sei gleichzeitig auch eine Wertung, „Keiner ist objektiv“. Grevelhörster versucht in seiner Graphic Novel, die Geschichte so echt und authentisch wie möglich darzustellen, deswegen sagt der Historiker auch: „Misstrauen Sie nicht der Geschichtsdarstellung, die Sie lesen, aber hinterfragen Sie sie.“

Foto: Jonas Evers / Ausschnitt im Hintergrund: Greven Verlag Köln – Illustration von Rüdiger Trebels