Beschlüsse

Resolution zur Lehrerdemonstration am 29.8.2013 in Hannover 21. August 2013
Stellungnahme zur Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Schortens 06. Februar 2013



Der Schulvorstand
am Mariengymnasium Jever
21. August 2013
Resolution zur Lehrerdemonstration am 29.8.2013 in Hannover
Der Schulvorstand des Mariengymnasiums hat am 21. August 2013 einstimmig folgende Resolution beschlossen:
Der Schulvorstand unterstützt die Initiative der Lehrerinnen und Lehrer des Mariengymnasiums, an der Demonstration der Lehrerverbände gegen die geplanten und z.T. einseitig die Gymnasiallehrer treffenden Maßnahmen der Landesregierung am 29.August in Hannover teilzunehmen. Auch die Elternvertreter zeigen Verständnis, dass an diesem Tag aus organisatorischen Gründen Unterrichtsverlegungen nicht zu vermeiden sind.
Insbesondere die geplanten Arbeitszeitverlängerungen werden erhebliche Folgen haben. Allein am Marien­gymnasium z.B. wären es bereits im kommenden Schuljahr ca. 4 Vollzeitstellen weniger, auf die sich eine frisch ausgebildete Lehrkraft bewerben könnte. Dieser faktische Einstellungsstopp führt zu großen Problemen bei der schulinternen Unterrichtsverteilung und zur Überalterung der Kollegien. Sie bringt eine Generation von Junglehrern um den Zweck ihrer jahrelangen Ausbildung.
Das Kollegium gestaltet seit 10 Jahren engagiert eine historisch herausragende Überfülle an Umstrukturierungen – und das bei erhöhten Klassenfrequenzen, Arbeitszeitverdichtungen und Gehaltsreduzierungen. Die Auflösung der Orientierungsstufe, das Abitur nach 8 Jahren, der Doppelabiturjahrgang, das Zentralabitur, Curriculumrevisionen aller Schulfächer, die Eigenverantwortliche Schule, das Ganztagsschulkonzept, die Schulinspektion, die Schul­programm­arbeit, die Öffnung der Schule, die Schulsozialarbeit und die Inklusion sind hier u.a. zu nennen.
Arbeitszeitverlängerungen bei ohnehin beständig ansteigender Arbeitsintensität führen zu Entmutigung. Sie sind genau das falsche Signal, die großen gegenwärtigen und künftigen pädagogischen Herausforderungen zu bewältigen, die Zeit von Menschen für Menschen brauchen.



Der Schulvorstand
am Mariengymnasium Jever
06. Februar 2013
Stellungnahme zur Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Schortens
Voraussetzungen des Mariengymnasiums
Das Mariengymnasium stellt einen attraktiven Standortfaktor für Jever und den gesamten nördlichen Teil des Landkreises Friesland dar.
Unsere ständig erweiterten und überarbeiteten Schulgebäude und ihre funktionale Ausstat-tung mit modernen Fachräumen, eine Bibliothek von 40.000 Medien mit integriertem Selbst-lernzentrum sowie die einladende Mensa stellen einen besonderen Qualitätsfaktor dar. Die Reichhaltigkeit der Inventare, Sammlungen und Lernmittel ist herausstechend, gleich vier Fördervereine unterstützen die Schule bei Extrawünschen. Das neugestaltete Oberstufenge-bäude und der von-Thünen-Turm bilden zusammen mit den Fachräumen im angrenzenden Mitscherlich-Haus und dem separaten Pausenhof einen eigenen Oberstufenbereich.
Seit den frühen Reformen der 70er Jahre ist unsere gymnasiale Oberstufe stetig weiterent-wickelt worden, sie bietet seit langem ein voll ausgebautes und verlässliches Angebot. Das Konzept des achtjährigen Gymnasiums ist durch unterstützende Maßnahmen wie die Um-stellung auf einen echten Ganztagsbetrieb, die Einführung des Doppelstundenmodells und Förderangebote erfolgreich. Die Umstellung auf das Zentralabitur und die Einführung neues-ter Lehrpläne, Methoden und Medien sind positiv umgesetzt worden.
Eine hohe und zeitgemäße Qualität der Ausbildung der Schüler und Schülerinnen ist nur durch kompetente Lehrer und Lehrerinnen zu erreichen. Die Personalpolitik des Marien-gymnasiums ist traditionell auf diesen bewährten Grundsatz ausgelegt. Unser Jahrzehnte währender Status als Ausbildungsschule des Studienseminars zur Lehrerausbildung Wilhelm-shaven und die bekannte Attraktivität unserer Schule gerade für junge Kolleginnen und Kollegen tragen hierzu wesentlich bei.
Abitur und Wahlmöglichkeiten
Unser größtes Kapital ist die umfassende pädagogische, fachliche und schulorganisatorische Erfahrung, die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler verlässlich an die Anforderungen der zentralen Abiturprüfung heranzuführen.
Für das Abitur kann der sprachlich-literarische, der gesellschaftswissenschaftliche, der na-turwissenschaftliche und seit kurzem auch der sportliche Schwerpunkt gewählt werden. In-nerhalb der vier Schwerpunkte gibt es eine Vielzahl von Varianten, die fünf verpflichtenden Prüfungsfächer zu wählen, die sich auf rund 2.000 individuelle Möglichkeiten summieren. Als Prüfungsfächer (erhöhtes Niveau und Grundniveau) stehen Deutsch, Englisch, Französisch, Erdkunde, Geschichte, Politik-Wirtschaft, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Sport zur Auswahl. Darüber hinaus sind auf Grundniveau die Prüfungsfächer Italienisch, Latein, Religion und Geschichte bilingual wählbar. Die Abiturprüfung in Geschichte auf Englisch gibt es an nur einem weiteren Gymnasium in Niedersachsen, wie auch der Schwerpunkt Sport sehr selten ist.
Das besonders vielfältige Bildungsangebot unserer Oberstufe fördert seit Jahrzehnten die individuellen Interessen und späteren Studier- und Berufschancen der Schülerinnen und Schüler des Nordkreises. Die gezielte Information und Beratung der Schüler und Eltern er-möglicht es angesichts der Vielfalt an Abiturprüfungsfachkombinationen, das individuell pas-sende Leistungsprofil zu finden.
Die gleichbleibend hohen Anmeldezahlen und die hohe Zahl der erreichten Abschlüsse zeu-gen vom großen Stellenwert des Mariengymnasiums für Eltern und Schüler im gesamten Einzugsbereich und zum Teil sogar darüber hinaus.
Zurückgehende Schülerzahlen und Folgen
Vom Landkreis vorgelegte Zahlen signalisieren, dass sich die Anzahl der in unsere Stufe 5 aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler von 164 im Jahr 2011 auf ca. 100 im Jahr 2015 reduzieren wird. Eine solche Entwicklung ist auch an der IGS Friesland zu erwarten, da auch sie von den kleiner werdenden Geburtsjahrgängen betroffen ist. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler einer IGS, die den erweiterten Sekundarabschluss II erreichen, ist im Übrigen systembedingt wesentlich kleiner als bei einer gymnasialen Schulform. Mittelfristig ist also zu erwarten, dass die Oberstufe am Mariengymnasium deutlich weniger Schülerinnen und Schüler haben wird als bisher und dass eine IGS Friesland ohnehin ein nur kleines Oberstu-fensystem hätte. Ähnliche Probleme kommen auch auf das Berufliche Gymnasium Jever zu.
Da bekanntermaßen nur Oberstufen mit Jahrgangsgrößen von ca. 130 wirkliche Vielfalt des schulischen Angebots ermöglichen, werden die Angebote überall deutlich reduziert werden müssen.
Die hohe Anzahl von Wahlmöglichkeiten würde am Mariengymnasium dann nicht mehr möglich sein. Zwar stellt ein gewisser Rückgang von Schülerzahlen noch keinen generellen Qualitätsverlust dar, doch führt eine deutliche Reduzierung ganz schnell zu überproportiona-len Effekten. Das Wahlangebot würde bei zu erwartenden Jahrgangsgrößen von ca. 70 auf weniger als zehn nennenswerte individuelle Abiturprüfungsfachkombinationen abrutschen. Eine zu geringe Schülerzahl entzieht außerdem Angeboten wie z. B. der Musical-AG oder dem Schulorchester den Boden und nimmt zusätzlichen Bildungschancen, die für den indivi-duellen Lebensweg, ein buntes Schulleben und die regionale Kultur wichtig sind, die Luft.
Nach Auffassung des Schulvorstands des Mariengymnasiums Jever ist es vor dem Hinter-grund insgesamt sinkender Schülerzahlen kontraproduktiv, eine dritte Oberstufe im Nord-kreis Friesland einzurichten. Schon mittelfristig werden die Oberstufen von Mariengymna-sium und IGS so zusammenschrumpfen, dass die Bildungschancen unserer jungen Menschen geschwächt werden und die Bildungsregion Friesland insgesamt nivelliert wird.
Außerdem zieht eine angemessene Ausstattung der IGS-Oberstufe hohe Anfangsinvestitionen des Landkreises Friesland in eine nicht notwendige Parallelstruktur ab. Diese Steuermittel werden im Effekt nicht nur die Vielfalt der im Nordkreis verfügbaren Sekundarstufe-II-Abschlüsse schwächen. Sondern im Zeichen der Schuldenbremse werden zukünftig beide Oberstufen auch nicht die laufenden Betriebs- und Innovationsmittel erhalten, die bei nur einem Standort möglich wären. Insgesamt würden also auch auf der Kostenseite beide Oberstufen – und der Steuerzahler – verlieren.

Stellungnahme und Vorschlag
Aus den genannten Gründen lehnt der Schulvorstand des Mariengymnasiums die Einrichtung einer weiteren gymnasialen Oberstufe im Nordkreis ab. Vor dem Hintergrund insgesamt sinkender Schülerzahlen und knapper öffentlicher Mittel ist vielmehr Bündelung und nicht Zersplitterung der Möglichkeiten vernünftig und nachhaltig.
Deshalb schlägt der Schulvorstand vor, das Potential der Oberstufen von Mariengymnasium und IGS am Standort Jever zu vereinen, da hier - wie dargestellt - optimale Voraussetzun-gen bestehen. Die Gruppen der Schüler, Eltern und Lehrer des Schulvorstands sind über-zeugt, dass das Kollegium des Mariengymnasiums die von der IGS an die Oberstufe des Ma-riengymnasiums gehenden Schülerinnen und Schüler in die Bildungsgänge im Haus zu integ-rieren und zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen weiß. Für die Anschlussfähigkeit der Bildungsgänge der IGS an die Oberstufe und des Mariengymnasiums an die der IGS wird der Schulvorstand eine Zusammenarbeit mit der IGS fördern. Der Effekt wäre ein verlässlich großes gymnasiales Oberstufenzentrum im Nordkreis unter dem Dach des Mariengymnasi-ums - zum Nutzen aller.