21.12.2022 | Maulwürfe, tanzende Häuser und ganz viel Ommmmm….. Autor: Frau Windolph

Prag, 12.12.2022.
Nach einer langen Zugfahrt mit dem wunderschönen letzten Teil entlang des Elbufers mit seinen mäandernden Ufern erreiche ich endlich die goldene Stadt der hundert Türme. Pünktlich zum Wochenbeginn hat es hier zu schneien angefangen und ich wandere allein durch die verschneiten und beleuchteten Gassen. Es liegt ganz deutlich Weihnachten in der Luft!

Im Kursraum erwartet mich bereits Bára, unsere sehr sympathische und kompetente Kursleiterin für die kommende Woche. Unsere bunt gemischte Gruppe besteht aus zwei Deutschen, drei Zyprioten, drei Spanierinnen, zwei Letten, einem Finnen und zwei Griechinnen.
Nach einem ersten Einstieg mit der Frage, wie sich negativer Stress körperlich bemerkbar macht, sind wir uns alle einig: Stress hat viele Gesichter. Dann gibt uns Bára einen Einblick in die Vorgänge im Körper und warum Stress eigentlich evolutionsbiologisch zunächst einmal total Sinn macht. Ich fühle mich stark an mein Biologiestudium erinnert und auch an Einiges, was in Biologie bei uns an der Schule unterrichtet wird.
Bei der nächsten Frage nach unseren persönlichen Strategien gegen Stress wird es dann schon schwieriger. Viele nicken, wenn ein paar von uns Einblick in ihren stressigen Alltag geben und hilflos mit den Achseln zucken, wenn Bára fragt, was man dagegen tun kann. Schnell wird leider klar – es gibt kein Zaubermittel, das bei allen wirkt. Aber wir lernen im Lauf der Woche nicht nur viel über die Hintergründe von Stress ,sondern auch eine Vielzahl an Aktivitäten, die man sowohl präventiv als auch akut einsetzen kann: Atemtechniken (ja - es kommt tatsächlich besonders auf das Ausatmen an!), regelmäßige sportliche Betätigung und - Achtung Modewort – „mindfulness“ , entweder durch verschiedenste, individuelle Entspannungstechniken oder Meditation.

Am interessantesten waren für mich tatsächlich Hintergrundinformationen zum Thema Schlaf und wie sich Schlafentzug (ein Großteil der Menschen schläft tatsächlich regelmäßig zu wenig) aber auch Substanzen wie Koffein oder Alkohol genau auswirken. Hier bekamen fast alle Kursteilnehmer lange Ohren, weil Schlaf eines der Hauptprobleme bei vielen darstellt.
Am dritten Tag übernimmt Carmine, Báras Ehemann und Organisator des Erasmus+ Zweigs in Prag, und visualisiert uns die Bereiche, an denen man arbeiten kann mit dem „wellness inventory wheel“. Am Ende des Tages steht ein Aktionsplan, ausgearbeitet in einer Coaching Phase, der bei jedem im Kurs einen anderen Fokus hat.
Wie bei so vielen Dingen im Leben nehme ich mit, dass Balance, positives Denken als auch „Being in the present“ und „good enough“ der Schlüssel zu mehr Lebensfreude und Zufriedenheit im Leben aller Menschen ist. Und nicht zuletzt tragen auch zwischenmenschliche Kontakte sehr viel zum Wohlbefinden bei – vielen Dank an dieser Stelle an Maria Luisa und Emma aus Spanien, mit denen ich wundervolle Nachmittage und Abende im winterlichen Prag verbracht habe und deren Gesellschaft und Freundschaft in diesen Tagen nicht hätte missen wollen.
Děkuji!