Ein Feuerwerk der Musik begeistert die Stadtkirche
Es gibt Abende, die man so schnell nicht vergisst. Der vergangene Samstag in der Stadtkirche Jever war einer davon. Hunderte Besucherinnen und Besucher erlebten beim diesjährigen Sommerkonzert des Mariengymnasiums unter dem Motto „Ein Feuerwerk der Musik" zwei Stunden voller Energie, Emotionen und mitreißender Musik – dargeboten von Schülerinnen und Schülern, die mit jeder Note zeigten, wie viel Herzblut in diesem Abend steckte.

Die Kirche platzt aus allen Nähten
Schon lange vor Konzertbeginn war klar: Dieser Abend würde besonders werden. Reihe für Reihe füllte sich die Stadtkirche, bis schließlich auch die erste und zweite Empore besetzt waren. Trotz hochsommerlicher Temperaturen – es war warm, sehr warm, und das merkte man – blieb die Stimmung von der ersten Minute an ausgezeichnet. Ein bisschen Schwitzen gehört eben dazu, wenn Musik so viel Energie freisetzt.

Der erste Funken: Fanfare und Händel
Ein Feuerwerk beginnt nicht mit dem großen Knall. Es beginnt mit dem ersten Funken. Mit Spannung. Mit Erwartung. Mit einem Augenblick, in dem noch alles möglich ist.
Genau dieses Gefühl entfachte die Bläserklasse 5b gleich zu Beginn mit der kraftvollen „Fanfare" von Jörg Sommerfeld. Die ersten Töne hallten durch die Kirche und setzten ein unmissverständliches Zeichen: Hier wird heute Abend etwas Besonderes passieren.
Was dann folgte, verlieh dem Konzertmotto eine historische Dimension: Die Bläserklassen 5b und 6b sowie die Workshop-Bläser spielten gemeinsam die „Royal Fireworks Music" von Georg Friedrich Händel. Entstanden 1749 für ein großes Feuerwerk in London, wurde das Stück damals von einem organisatorischen Chaos begleitet – ein Pavillon brannte, die Kontrolle ging verloren. Aber die Musik blieb. Und sie wurde größer als das Ereignis, für das sie geschrieben worden war. Ein passenderer Auftakt für „Ein Feuerwerk der Musik" war schlicht nicht denkbar.
Anschließend begrüßten Pastor Harland sowie Studiendirektorin Susanne Genz, die Schulleiter Herrn Ploeger-Lobeck vertrat, der leider verhindert war, die zahlreichen Gäste herzlich in der Stadtkirche.

Jan-Paul Weber – eine Moderation, die den Abend trägt
Durch den gesamten Abend führte Jan-Paul Weber, Schüler der 10. Klasse, mit einer Moderation, die weit über das Vorlesen von Programmpunkten hinausging. Mit Ruhe, Wärme und einem bemerkenswert reifen Gespür für den richtigen Ton verband er die einzelnen Programmpunkte zu einem stimmigen Ganzen.
So erklärte er etwa vor „City of Stars", dass es Städte gibt, die man nie gesehen hat – und die trotzdem vertraut wirken. Städte voller Lichter, voller Möglichkeiten und voller Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden. Jeder Musikerin und jedem Musiker, so Weber, ist das vielleicht bekannt: Man beginnt mit einem ersten Ton – oft vorsichtig, manchmal unsicher. Und irgendwann wird daraus Musik.
Vor „More Than A Feeling" erinnerte er daran, dass Musik Erinnerungen bewahrt wie kaum etwas anderes: Manchmal genüge eine einzige Melodie – und plötzlich seien sie wieder da. Momente vergehen, sagte er. Musik bleibt.
Und beim „Sleepsong" am Ende sprach er offen über seinen eigenen Abschluss der 10. Klasse, über Abschiede und neue Anfänge – persönlich, ehrlich und genau richtig für diesen Moment kurz vor den Sommerferien.
Das Besondere an der Moderation war, dass er während des Konzertes immer von verschiedenen Orten moderierte.

City of Stars – und ein Abend hebt ab
Mit „City of Stars" aus dem Film „La La Land" sorgten die MG-JazzTones für einen der ersten großen Gänsehautmomente des Abends. Die gefühlvolle Interpretation entfaltete sich in der Stadtkirche mit einer Leichtigkeit und Tiefe, die das Publikum sofort in ihren Bann zog. Klasse gespielt, klasse vorgetragen – die JazzTones zeigten hier eindrucksvoll, warum sie zu den Aushängeschildern des Abends gehörten.
Anschließend gingen die Bläserklassen und Workshop-Bläser mit dem „Pirate Song" auf Abenteuerreise. Leinen los, Segel gesetzt, und dann: Spielfreude pur. Man merkte jedem einzelnen Ton an, dass hier junge Musikerinnen und Musiker mit Freude dabei waren.

Jackson Medley – das hat reingehauen
Kaum ein Künstler hat die Musikgeschichte so geprägt wie Michael Jackson. Er hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt mit elf Jahren – mit Lampenfieber, Aufregung und dem Mut, einfach auf die Bühne zu gehen. Und genau diesen Mut zeigten auch die MG-Voices und die Blaswichtel, als sie das Jackson Medley auf die Bühne brachten.
Was dann passierte, war schlicht beeindruckend. Chor, Solostimmen, Rhythmusgruppe und Bläser verschmolzen zu einem Gesamtklang, der die Stadtkirche zum Beben brachte. Energie, Dynamik, Präzision – und eine riesige Portion Spielfreude. Das Jackson Medley war einer der absoluten Höhepunkte des Abends und erntete verdienten, tosenden Applaus.

Take On Me, Klassiker und das Feuerwerk-Medley
Der Klassenchor 6e begeisterte anschließend mit „Take On Me" – ein Song, den man schon nach den ersten Sekunden erkennt, der gute Laune macht und einfach Spaß bringt. Die Schülerinnen und Schüler lieferten genau das ab.
Die Bläserklasse 6b zeigte dann mit „La donna è mobile" von Verdi und „Land of Hope and Glory" von Elgar, dass wirklich gute Musik kein Verfallsdatum kennt. Beide Stücke haben Generationen überdauert – und in der Interpretation der 6b klang man, als hätte man nie etwas anderes gespielt.
Den emotionalen Abschluss des ersten Konzertteils bildete das Feuerwerk-Medley aus „Feuerwerk", „Jetzt und hier" und „An guten Tagen" – dargeboten von den MG-Voices, den Blaswichteln und den Tänzerinnen und Tänzern der 6b. Musik und Bewegung vereinten sich zu etwas, das weit über eine Schulveranstaltung hinausging. Es gab Augenblicke, die man nicht festhalten kann – und die man trotzdem nie vergisst. Dieser hier war einer davon. Viele im Publikum waren sichtlich bewegt.

Die Pause – Street Food und Sommerabend
Während der rund zwanzigminütigen Pause verwandelte sich der Kirchplatz in einen lebhaften Treffpunkt. Die Stadt Jever hatte dankenswerterweise für kulinarische Versorgung gesorgt: kalte Getränke und verschiedene Speisen erwarteten die Gäste – ein willkommener Ausgleich zur Wärme in der Kirche. Überall wurden Eindrücke ausgetauscht, und die Erwartungen an den zweiten Teil waren hoch. Zu Recht, wie sich zeigen sollte.

Zweiter Teil: Sommer, Blues und Gänsehaut
Mit „Summertime" von George Gershwin und „Watermelon Man" von Herbie Hancock eröffneten die JazzTones-Blaswichtel und die MG-Voices den zweiten Teil – sommerlich leicht, warm und mit dieser lässigen Energie, die nur guter Jazz hat.
Der Klassenchor 6e sorgte mit „Alles nur geklaut" für Schwung und Schmunzeln. Jan-Paul Weber hatte es treffend formuliert: Echte Musik entsteht nicht auf Knopfdruck. Sie entsteht, wenn Menschen gemeinsam proben, aufeinander hören und ihre Persönlichkeit einbringen. Genau das war hier zu erleben – und dieser Moment war einmalig.

More Than A Feeling – mit Charakter
Die MG-JazzTones lieferten mit „More Than A Feeling" von Boston einen Rockklassiker ab, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Dass eine Gitarre unmittelbar vor dem Auftritt noch schnell nachgestimmt werden musste, tat der Wirkung keinen Abbruch – im Gegenteil. Es brachte genau das in den Auftritt, wovon Jan-Paul Weber in seiner Moderation gesprochen hatte: echte Momente, die man nicht planen kann. Das Publikum nahm es mit Humor und feierte die Darbietung umso herzlicher.

Eine Sprache – ein Moment, der alle mitnahm
Gerade in einer Zeit, in der Nachrichten oft von Krisen und Unsicherheit geprägt sind, zeigt Musik ihre besondere Kraft. Sie braucht keine Übersetzung. Sie erreicht Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder Sprache.
„Eine Sprache", dargeboten von den MG-Voices, den JazzTones und den Tänzerinnen und Tänzern der 6b, war genau dieser Moment. Die emotionale Kraft des Stückes war in der gesamten Kirche spürbar – ein Auftritt, der nachhallte, lange nachdem der letzte Ton verklungen war.

Soul City Blues, Ed Sheeran und Filmmusik
Die Bläserklassen 5b, 6b und Workshop-Bläser entführten das Publikum anschließend mit „Soul City Blues" in die Welt des Blues – mal lässig und entspannt, mal voller Energie, wie ein Spaziergang durch die Straßen einer pulsierenden Stadt.
Danach wurde es noch einmal richtig groß: Die MG-Voices und JazzTones präsentierten ein Ed-Sheeran-Medley mit „Shape of You", „I See Fire" und „I Found a Girl" – und spannten damit einen Bogen durch die unterschiedlichsten Stimmungen und Facetten eines der erfolgreichsten Songwriter unserer Zeit. Kraftvoll, gefühlvoll, mitreißend. Das Publikum war begeistert.
Die Bläserklasse 6b schickte die Zuhörerinnen und Zuhörer anschließend auf Reise in andere Welten: Mit den Filmmusiken aus „Jurassic Park" (John Williams) und „Der mit dem Wolf tanzt" (John Barry) entstanden allein durch Klänge Bilder. Prärie, Urwald, Staunen – echte Gänsehautmomente.
Ruhiger, fast zärtlich wurde es mit „Sleepsong" der MG-Voices. Ein Moment des Innehaltens an einem Sommerabend, kurz vor den Ferien. Jan-Paul Weber hatte es zuvor persönlich auf den Punkt gebracht: Jeder Abschied trägt ein Versprechen in sich. Das Versprechen neuer Begegnungen, neuer Geschichten und neuer Erinnerungen.

Finale: Alle zusammen – und alle singen mit
Ein Feuerwerk entsteht nicht durch einen einzelnen Lichtpunkt. Es entsteht durch viele kleine Funken, die gemeinsam den Himmel erhellen.
Beim abschließenden Abend-Choral von Jörg Sommerfeld versammelten sich sämtliche Ensembles auf und vor der Bühne. Alle Stimmen, alle Instrumente, alle Menschen, die diesen Abend zu dem gemacht hatten, was er war. Und dann stimmten auch viele Besucherinnen und Besucher mit ein:
„Seht ihr den Mond am Abendhimmel steh'n?
Nun wird es Zeit für uns nach Haus' zu geh'n.
Die Musik im Herzen bleibt, gut' Nacht, auf Wiederseh'n."
Ein bewegender Abschluss eines außergewöhnlichen Abends.
Außerdem gab Jan-Paul Weber noch einen Ausblick mit auf den Weg: Im kommenden Schuljahr soll ein neues Orchester entstehen – ein gemeinsames Ensemble aus Bläserklassen, Blaswichteln und JazzTones. Wenn dieser Abend etwas gezeigt hat, dann vielleicht genau das: Aus vielen einzelnen Stimmen kann etwas entstehen, das weit größer ist als die Summe seiner Teile.

Dank und Anerkennung
Zum Abschluss dankte Susanne Genz allen Beteiligten herzlich für ihren Einsatz. Besonders gewürdigt wurden die Musiklehrkräfte Frauke Harland (Klavier & Tenorsaxophon), Kathrin Waculik (Querflöte) und Markus Gärtner (Klavier), die das Konzert über viele Monate mit großem Engagement vorbereitet hatten. Auch Moderator Jan-Paul Weber wurde für seine professionelle und einfühlsame Begleitung durch den Abend ausdrücklich gewürdigt.
Die JazzTones bedankten sich ihrerseits bei Frauke Harland für die tolle Zusammenarbeit, die Bläserklasse 5b schloss sich diesem Dank an. Die Bläserklasse 6b bedankte sich bei Kathrin Waculik für die gemeinsame Arbeit.
Ein unverzichtbarer Teil des Abends blieb dabei für die meisten unsichtbar: die Technik. Moritz Finkensieper sorgte einmal mehr mit großer Professionalität und ruhiger Hand dafür, dass Musik, Gesang und Moderation optimal zur Geltung kamen. Kein Aussetzer, kein Rauschen, kein Moment, der nicht saß. Technisch perfekt – und damit ein echter Teil des Erfolgs dieses Abends.
Die Spendenbereitschaft am Ausgang zeigte schließlich, wie sehr der Abend das Publikum begeistert hatte. Zahlreiche Gäste unterstützten die Konzert- und Bläserklassenarbeit der Fachschaft Musik und ermöglichen damit, dass solche Abende auch in Zukunft stattfinden können.

Als die letzten Töne verklangen und die Menschen langsam die Stadtkirche verließen, blieb vor allem eines zurück: das Gefühl, etwas wirklich Besonderes erlebt zu haben. Einen Abend, an dem Schülerinnen und Schüler des Mariengymnasiums gemeinsam mit ihren Lehrkräften gezeigt haben, was möglich ist, wenn man mit Mut, Teamarbeit und echter Leidenschaft auf die Bühne geht.
Ein echtes Feuerwerk der Musik – dessen Leuchten noch lange nachwirkt.





















