Handyfreie Klasse

Konzept

  1. Elternvereinbarung

    Die Eltern der Schüler*innen der handyfreien Klasse verpflichten sich, ihren Kindern für anderthalb Schuljahre kein eigenes Smartphone zur Verfügung zu stellen. Ebenso sollen keine Smartwatches oder vergleichbare digitale Endgeräte mit Kommunikations- oder Internetfunktion genutzt werden.

  2. Ziel der Regelung

    Ziel ist insbesondere die Vermeidung eines altersunangemessenen oder ungesunden Nutzungsverhaltens, z.B. im Bereich von Spielen, Social-Media-Angeboten oder permanenter Erreichbarkeit.  Eine Umgehung der Regelung (z. B. durch Nutzung von Tablets, Zweitgeräten oder Geräten von Eltern bzw. Geschwistern) ist nicht vorgesehen.

  3. Verfahren bei Nichteinhaltung

    Bei wiederholter oder vorsätzlicher Nichteinhaltung der Selbstverpflichtung behält sich die Schule vor, mit geeigneten Maßnahmen zu reagieren.

  4. Kombinierbarkeit mit Profilklassen

    Die Anmeldung zur handyfreien Klasse ist auch in Kombination mit Bläser- oder Theaterklasse möglich. 

  5. Organisatorische Voraussetzungen

    Eine handyfreie Klasse wird nur eingerichtet, sofern dies organisatorisch sinnvoll möglich ist (z. B. bei einer regulären Klassenstärke). Bei der Klassenbildung haben Bläser- und Theaterklasse Vorrang.

  6. Begleitete Einführung digitaler Medien

    Die Anschaffung des ersten eigenen Geräts ist für das zweite Halbjahr der Jahrgangsstufe 6 vorgesehen. Die Klassenleitung der handyfreien Klasse nutzt Teile der Verfügungsstunden in Jahrgang 6 für eine pädagogisch begleitete Einführung in die Nutzung eines eigenen Smartphones. Dabei werden grundlegende Kompetenzen (Datenschutz, Nutzungszeiten, soziale Medien, Kommunikation, Risiken und Chancen digitaler Medien) gemeinsam eingeübt und fortlaufend reflektiert. Mit den Eltern möchten wir bei der Einführung des eigenen Smartphones eng zusammenarbeiten und einen sinnvollen gemeinsamen Weg gehen. 

  7. Einsatz digitaler Medien im Unterricht

    Auch in diesen Klassen kann selbstverständlich mit digitalen Medien im Unterricht gearbeitet werden, wenn dies sinnvoll erscheint, dann jedoch auf unseren schuleigenen Tablets. 

 

Begründung

  1. Entwicklungspsychologische Perspektive

    Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren befinden sich in einer sensiblen Phase sozialer, emotionaler und kognitiver Entwicklung. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein späterer Einstieg in die eigenständige Smartphone-Nutzung Konzentrationsfähigkeit, soziale Interaktion und emotionale Stabilität begünstigen kann.[1]

  2. Lern- und Sozialklima

    Studien und schulische Erfahrungsberichte zeigen, dass der Verzicht auf Smartphones im schulischen Alltag Ablenkungen reduziert, die Qualität sozialer Beziehungen stärkt und ein ruhigeres Lernumfeld begünstigt.[2] Insbesondere in unteren Jahrgangsstufen profitieren Kinder davon, nicht nur die Schulpausen, sondern soziale Situationen generell ohne digitale Parallelwelten zu gestalten.[3]

  3. Gesundheitliche Aspekte

    Wissenschaftliche Untersuchungen weisen auf Zusammenhänge zwischen intensiver früher Smartphone-Nutzung und Schlafproblemen, verminderter Aufmerksamkeit, Bewegungsmangel sowie emotionalen Belastungen hin.[4] Die Schule trägt mit diesem Angebot zu einem gesundheitsbewussten und altersangemessenen Umgang mit digitalen Medien bei.

  4. Pädagogisches Signal

    Mit der Einrichtung einer handyfreien Klasse setzt die Schule bewusst das Signal, dass ein eigenes Smartphone kein zwingender Bestandteil der Lebenswelt von Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren sein muss. Gleichzeitig wird Medienkompetenz nicht verweigert, sondern zeitlich sinnvoll und pädagogisch begleitet aufgebaut.

  5. Elternwille und Wahlfreiheit

    In Elterngesprächen und in Medienberichten über ähnliche Angebote handyfreier Klassen an anderen Schulen wird ein klar erkennbares Interesse an einem solchen Angebot deutlich. Die handyfreie Klasse stellt am MG ein zusätzliches, freiwilliges Angebot dar, für oder gegen das Eltern sich bewusst entscheiden können.

  6. Nachhaltiger Medienkompetenzerwerb

    Forschung und medienpädagogische Konzepte zeigen übereinstimmend, dass nachhaltige Medienkompetenz nicht durch Verbote allein, sondern durch strukturierte Begleitung und Reflexion entsteht.[5] Das vorliegende Konzept verbindet daher eine handyfreie Phase mit einer gezielten schulischen Einführung in den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Endgeräten.


 


[1] https://www.chop.edu/news/childrens-hospital-philadelphia-study-links-smartphone-ownership-childhood-increased-risk 

[2] https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/570845/handynutzung-an-schulen-erlauben-das-denken-jugendliche/ 

[3] https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/neuigkeiten/2024/09/04/smartphone-verbot-an-schulen-sinnvoll-wenn-padagogisch-begleitet/ 

[4] https://www.mdpi.com/2227-9067/12/10/1297 

[5] https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/mehr-rechtssicherheit-mehr-aber-auch-nicht